Die Bengalkatze — Der anschmiegsame Mini-Leopard

"Der Leopard ist unzweifelhaft die vollendetste aller Katzen. Ebenso schön wie gewand, ebenso kräftig wie lebendig, ebenso klug wie listig, ebenso kühn wie verschlagen zeigt er das Raubtier auf der höchsten Stufe" (Brehms Tierleben - Volksausgabe 1950 Der Leopard. Seite 94)

Eine verschmuste Katze im Raubtier Look, so wie der Leopard, aber bitte im Miniformat und nicht ganz so gefählich. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war das der Wunsch zahlreicher Katzenliebhaber.

Auch wenn es Jean Mill, einer Genetikerin aus Kalifornien (USA), vor über 40 Jahren in erster Linie um den Erhalt der Asiatischen Leopardenkatze ging, so legte Sie doch damals den ersten Grundstein für eine neue, einzigartige Rasse.

Sie verpaarte erstmals 1963 eine weibliche ALC mit einem schwarzen, kurzhaarigen Hauskater. Ihr Zuchtziel: Wildes Verhalten wegzüchten und die besondere Zeichnung der ALC festigen. Aus persönlichen Gründen gab sie Ihr Zuchtprogramm jedoch auf.

In den späten 70er Jahren setzte Dr. Willard Centerwall, ein Kinderarzt und Genetiker an der Universität von Kalifornien, die Kreuzungen fort. Er erforschte dabei die Resistenz der ALC gegen Katzenleukemie, mußte aber erkennen das die ALC die Resistenz nicht an die Hauskatze weitervererbte. Die hier entstandenen Hybriden übernahm Jean Mill und setzte ihre Zuchtversuche fort.

In den 80ern tauchten dann die ersten Bengalen auf Austellungen auf. Das Publikum war beeindruckt von der neuen Katzenrasse, die Reaktionen überwältigend. 1985 wurde die Bengalkatze vom amerikanischen Zuchtverband "TICA" anerkannt.

Wohnzimmertauglich waren die ersten Generationen allerdings noch nicht wirklich. Der Wildkatzenanteil überwog, und somit markierten nach der Geschlechtsreife nicht nur die Kater sondern auch häufig die Katzen. Auch das lösen im Wasser statt in der Katzentoilette ein Zeichen, das die Bengalen noch sehr nah am Wildtier waren.



Die heutigen Bengalen werden nur noch reinerbig gezüchtet, das heißt Bengal wird mit Bengal verpaart. Die hervorgebrachten Jungtiere sind absolut zahm und verschmust. Geblieben und natürlich auch erwünscht ist das wilde Aussehen ihrer Vorfahren und ihre ungewöhnliche Vorliebe für Wasser. Allerdings benutzen sie heute glücklicherweise die Katzentoilette.

Die Fellzeichnung der Bengalen ist sehr variantenreich und hebt sie deutlich aus der Masse anderer Rassen hervor. Es gibt Sie mit rosettenförmig angelegten Punkten in blau, braun und silber, in getupft (spotted), und in marmoriert (marbled). Allen gemeinsam ist ihr extrem weiches Fell, was zudem oft auch golden glänzt. Der sogenannte "Glitter" läßt die Bengal im Sonnenschein wie mit Goldstaub berieselt aussehen.

Die getupften Kraftpakete haben jedoch nicht nur eine außergewöhnliche Optik, sie gelten darüber hinaus als besonders intelligent, temperamentvoll und bei guter Sozialisierung als extrem menschenbezogen. Kinder und ruhige Hunde sind ihnen herzlich willkommen und werden sofort bespielt. Sie sind einfach immer da wo etwas los ist. Sie sind wahre Ausbruchskünstler und entdeckten den einzig offenen Schlitz im Außengehege nach nicht einmal 20 Minuten.

So verschmust, offen und extrem zutraulich sie mit uns auf dem Sofa und in unserem Schoß liegen, so unglaublich vital sind sie während des Tages. Mit einer enormen Sprungkraft werden die höchsten Wohnzimmergipfel erklommen, und von uns unklug plaziertes Murano- oder Swarowskiglas kurzerhand beiseite geräumt.

Wer jedoch viel Zeit, Aufmerksamkeit und Zuneigung in seine Bengalkatze investiert, der bekommt auch das was er sich wünscht: Einen anschmiegsamen Mini-Leoparden